© Martin Winter, CC by-nc 4.0

Bienchen & Blümchen

Warum regionales Saatgut für Diversität wichtig ist

Von Martin

Direkt zur Zusammensetzung der Veitshöchheimer Bienenweide

Das Insektensterben und das bayerische Volksbegehren

Als Imker werde ich auch oft gefragt, was man als Garten- und Balkonbesitzer für die Diversität und zum Insektenschutz beitragen kann. Viele Menschen haben noch das Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“ im Hinterkopf und dass hier im Jahr 2019 mehr als 1,7 Millionen Menschen in Bayern sich für unsere Insekten eingesetzt haben.

Da das „Bienensterben“ zwar durch diverse Krankheiten und Schädlinge im Bienenstock auch unsere Honigbiene betrifft aber die Imkerei auch immer das „Auge für die Natur“ stärkt, war es für viele Imkernde eine Herzenssache, das Volksbegehren unter der Trägerschaft des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V (LBV) bekannt zu machen und insbesondere Wildbienen und anderen Insektenarten aber auch die Honigbiene durch die Förderung blühender Lebensräume zu schützen.

Wichtig ist aber zu verstehen, dass Insektenschutz weit über die Honigbiene hinaus geht – und nicht jede*r Imker*in ist auch automatisch Naturschützer*in.
Die Imkerei ist ein Zweig der Landwirtschaft und die Honigbiene eines der bedeutendsten Nutztiere unserer Zeit. Nichts desto trotz bleibt uns als Gesellschaft nüchtern betrachtet gar keine andere Option als die Flora und damit auch die (Insekten-)Fauna zu schützen, da unsere Insekten einen nennenswerten Beitrag zur Ernährung der Menschheit beitragen. Und allein, dass die Biomasse der Insekten während nur knapp 30 Jahre über 75% zurück gegangen ist, wie 2017 die sog. „Krefelder Studie“ und viele mehr gezeigt haben, muss uns hier sehr stark alarmieren.

Saatgutpäckchen – lieb gemeint aber oft schlecht gemacht

Aus diesem Grund bin ich begeistert davon, wenn Menschen lange stehende Blühflächen als Habitat für Wild- und Nutztiere anbauen wollen – und seien sie noch so klein. Um diese Blühflächen allerdings sinnvoll anbauen zu können, kann man leider nicht jedes angebotene Saatgutpäckchen mit gutem Gewissen aussähen.

In den vergangenen Jahren und zuletzt im September 2025 wurden Saatgutpäckchen ungefragt per Post zugestellt – oft aus China. Bestückt mit invasiven Arten, die unsere heimische Flora und damit auch Fauna verdrängen könnten.

Auch Saatgut-Päckchen, die gut gemeint als Marketing-Investition auf Messen oder in der Fußgängerzone verteilt werden, haben oft kaum Inhalt. Und wenn doch, dann finden sich darin eher billigste Saaten, die nicht auf Insektennützlichkeit der Pflanzen, sondern schlicht wegen des Preis-Menge-Verhältnisses ausgewählt wurden.

Gutes Saatgut, das mit Sinn in die Natur ausgebracht werden kann, liegt preislich schnell bei 100€ und mehr je Kilogramm Saatgut. Auch wenn ein Saatgutpäckchen nur zwischen 2 und 5 Gramm Saaten enthält (und damit meist 2 bis 5 Quadratmeter Fläche besäht werden können / sollen) geht es im Marketing ja meist um das Erreichen von Massen und damit steigen die Gesamtkosten schnell an.

Regionalität

Das Beispiel mit den Saatgutpäckchen aus China ist eines der extremeren Beispiele, warum Regionalität bei Futter-Blumen für Insekten relevant ist.

Das Nutztier der Imkerei, die Honigbiene, hat sich so entwickelt, dass sie (fast) das gesamte Angebot der Flora nutzen kann (tiefe Blütenkelche, bei denen längere Rüssel als die 5,5 – 6,5 Millimeter der Honigbiene benötigt werden, können nur nach Hilfe-Bissen durch Hummeln durch Honigbienen besucht werden). Man nennt sie auch „polylektisch“ oder auch „Generalisten“, das heißt sie können den Pollen verschiedenster Pflanzen nutzen.

Zahlreiche Wildbienen sind allerding spezialisiert auf wenige Pflanzengattungen, manchmal sogar nur wenige Arten. Diese nennt man „Spezialisten“ oder auch „oligolektisch“. Man kann die Spezialisten auch an anderen Pflanzen als den meist namensgebenden finden, da die erwachsenen Tiere den Nektar verschiedenster Pflanzen verdauen können. Die tatsächlichen Spezialisten sind ihre Larven dieser Bienen, da diese ausschließlich den Pollen der speziellen Pflanzen verdauen können.

Häufig kommt für Wildbienen ein sehr begrenzter Flugzeitraum von wenigen Wochen zur Schwierigkeit des Überlebens und der Fortpflanzung hinzu, in welcher gerade die Spezialisten auf das Blühen ihrer Futterpflanzen angewiesen sind. Und auch das Überleben der Wildbienen und Insekten hängt hier eng mit dem Klimawandel und der damit einhergehenden Verschiebung der Blüte-Zeiten von Pflanzen einher. Wenn wir als Mensch nun auch noch zusätzliche Verschiebungen der Blüte-Zeiten in die Natur einbringen, indem wir Pflanzen aus klimatisch unterschiedlichen Regionen zusammen bringen, ist das Chaos perfekt.

Aus diesem Grund veröffentlicht das Bundesamt für Naturschutz eine Deutschlandkarte mit 22 Ursprungsregionen für geeignetes Saatgut, welches besonders auf diese Abhängigkeiten Rücksicht nimmt.

Empfehlungen für Saatgut

Da ich oben nun auf die Notwendigkeit des regional angepassten Saatguts eingegangen bin und auch aufgezeigt habe, dass wir dennoch alle etwas tun können und sollen, möchte ich natürlich nicht einfach mit dem Appell zum Handeln den Beitrag beenden, sondern auch aufzeigen, wie wir gemeinsam agieren können.

Es stellt sich heraus, dass es für Privatpersonen gar nicht so einfach ist, an regionales Saatgut heran zu kommen. Insbesondere die oben erwähnte Aufteilung in 22 Ursprungsgebiete ist nicht für viele Saatgut-Anbieter realisierbar.

Der Mellifera e. V., der sich seit 1986 für den Schutz von Honig- und Wildbienen einsetzt, hat eine Kooperation mit der Rieger-Hofmann GmbH, um die Saatgutmischung „Blühende Landschaft“ der gleichnamigen Initiative mindestens in vier Varianten (Nort, Süd, Ost und West) anzubieten: Hier geht es zum Mellifera Shop.

Eine Alternative, die es häufiger zu beziehen gibt und die von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zusammen gestellt wurde, ist die „Veitshöchheimer Bienenweide“, die u.a. Saaten Zeller aus Unterfranken im Sortiment führt.

Beide Saat-Mischungen sind auf bis zu 5 Jahre Standzeit ausgelegt und bieten mit ihren Mischungen für (Wild-)Bienen, Schmetterlinge und Raupen, Schwebfliegen und Käfer reichlich Nahrung und wenn man die Stängel erst im Frühjahr entfernt sogar Überwinterungsmöglichkeiten für viele Insekten.

Aus diesem Grund habe ich z.B. mit meinen Saatgut-Tütchen einige-Päckchen der „Veitshöchheimer Bienenweide“ zum Mitnehmen für die Saatgutbörse des Botanischen Gartens Augsburg in der Stadtbücherei Augsburg am Ernst-Reuther-Platz am 07. Februar 2026 von 11:00–14:30 Uhr vorbereitet. Gemeinsam mit meinem Imker-Kollegen aus dem Botanischen Garten Martin Dix werde ich an diesem Tag vor Ort zu unseren Insekten informieren – nicht nur zu den Nutztieren, der Honigbiene, auch zu Wespen, Hornissen und eben auch Wildbienen und was wir alle zu deren Schutz beitragen können.
Spenden zur Refinanzierung des Saatgutes sind gern gesehen.

Weiterführende Informationen

Aussaat der „Veitshöchheimer Bienenweide“

Auf den Saatgut-Tütchen ist eine grobe Anleitung vorbereitet, dennoch möchte ich diese hier kurz abbilden:

  • Die Fläche sollte ca. 10 bis 15 cm in die Tiefe gelockert worden sein, bestenfalls im Herbst vor der Aussaat
  • Kurz vor der Saat muss die Fläche fein ausplaniert werden, d.h. grobe Erdbrocken z.B. mit einem Rechen zerkleinert werden
  • Zum besseren Ausbringen auf der Fläche kann man das Saatgut mit der 50 fachen Menge an Sand (also 3g mit 150g Sand) vermischen – dadurch lässt es sich gleichmäßiger auf der Fläche verteilen
  • Das Saatgut besteht vorwiegend aus Lichtkeimern, die also nicht in die Erde eingearbeitet sondern nur aufgelegt und leicht angedrückt werden sollen
  • Insbesondere zu Beginn der Keimung muss die Fläche ausreichend feucht gehalten werden
  • Sinnvolle Aussaat findet zwischen April und Ende Juni statt

Offizielle Zusammensetzung der „Veitshöchheimer Bienenweide“

(Quelle: LWG Broschüre, Link unten)

Legende Insektenfreundlichkeit:
Spalten Nektar und Pollen: nicht angegeben bedeutet, die verwendeten Quellen hatten keine Angaben
Spalten W, S, R, SF, K: Anzahl bekannter Arten – 10 (2) bedeutet dabei „10 Arten bekannt, davon sind 2 auf diese Pflanzengattung spezialisiert“.
W: Wildbienen, S: Schmetterlinge, R: Raupen, SF: Schwebfliegen, K: Käfer
Quellen Insektenfreundlichkeit: naturadb.de, mit 1) markierte bienenroute.de, Abruf 01. Februar 2026
Zusammensetzung % Insektenfreundlichkeit
Blütezeit Nektar Pollen W S R SF K
Einjährige Arten 48,50
Echter Dill 2,00 Mai–Aug ●●●○ ●●○○ 18 1
Borretsch 5,00 Mai–Sep ●●●● ●●○○ 10 4
Ringelblume 5,30 Jun–Okt1) ●●○○ ●●○○ 53 2 2
Kornblume 3,30 Jun–Okt ●●●○ ●●●○ 89 (14) 30 15 18 5
Koriander 6,70 Jun–Jul ●●●● ●○○○ 18
Buchweizen 6,70 Jul–Okt ●●●● ●●●○
Sonnenblume 3,30 Jun–Sep ●●●○ ●●●○ 52 1
Acker-Vergissmeinnicht 0,50 Jun–Sep ●●○○ ●○○○ 12 (2) 3 6 1 1
Schwarzkümmel1) 7,00 Jun–Sep ●●●○ ●●○○
Klatsch-Mohn 2,00 Mai–Aug1) ●●●○ 4 2 2
Mariendistel 6,70 Jun–Aug ●●●○ ●●●○ 55
Mehrjährige Arten 51,50
Aufgeblasenes Leimkraut 0,70 Mai–Sep ●○○○ ●○○○ 13 22 27 (12) 1 2
Gemeine Braunelle 0,70 Jun–Sep 37 (2) 5 3 1
Dost 0,70 Jul–Sep ●●●○ ●●○○ 30 (2) 56 17 (2) 14 1
Echtes Johanniskraut 0,30 Jun–Aug ●○○○ ●●●○ 9 2 19 (8) 6 1
Esparsette 5,30 Mai–Jul ●●●● ●●●● 69 (21) 6 28 (7) 1
Färber-Resede 0,50 Jun–Sep ●●○○ ●●●○ 13 (1) 3 2
Färberkamille 1,70 Jun–Okt ●●○○ ●●○○ 72 (11) 2 6 (2) 25 2
Feld-Thymian 0,70 Jun–Okt ●●●○ ●○○○ 41 (2) 14 25 (5) 4 2
Fenchel 4,50 Jul–Aug ●●●● ●●○○ 18 2
Gelbklee 3,30 Mai–Okt ●●○○ ●●○○ 29 (21) 6 14
Gemeine Nachtkerze1) 3,30 Jun–Sep ●○○○ ●●○○ +
Gewöhnliche Goldrute 1,30 Jul–Okt ●●●○ ●●●○ 73 (12) 2 26 (3) 31 3
Großblütige Königskerze 1,30 Jul–Sep 9 13 (2) 2
Herzgespann 0,20 Jun–Sep ●●●○ ●●○○ 44 (2) 3 1
Hornschotenklee 2,00 Mai–Aug ●●●○ ●○○○ 77 (23) 23 30 (8) 2
Kleiner Wiesenknopf 1,30 Mai–Aug ●●○○ ●●○○ 37 12 (1) 1 1
Luzerne 1,30 Jun–Sep ●●●○ ●○○○ 35 13 27
Margerite 1,30 Mai–Jun ●●○○ ●●○○ 79 (12) 12 2 17 2
Mehlige Königskerze 0,20 Jun–Aug 9 16 (5) 2
Moschus-Malve 0,70 Jun–Okt ●●●○ ●○○○ 1 (1) 1 5 (1)
Natternkopf 2,70 Jun–Aug ●●●○ ●●○○ 39 (4) 42 12 (1) 3
Nickende Distel 0,70 Jul–Sep 79 (9) 19 5 30 6
Rot-Klee 1,30 Jun–Sep ●●●○ ●●●○ 50 (20) 23 23 (2) 7
Schafgarbe 1,30 Jun–Okt ●●○○ ●●○○ 82 (13) 12 39 (5) 16 3
Schwarze Königskerze 0,20 Jun–Aug ●○○○ ●●●○ 9 14 (2) 2
Skabiosen-Flockenblume 0,70 Jun–Aug ●●●○ ●●●○ 93 (14) 45 22 (1) 17 5
Steinklee 0,70 Jun–Sep ●●●● ●●●● 28 (19) 10 1
Straußblütige Wucherblume 2,00 Jun–Aug ●●○○ ●●○○ 72 (12) 1 3 (1) 15 4
Weißer Steinklee 1,50 Jun–Sep ●●●● 33 (19) 6 1
Weiß-Klee 1,30 Mai–Okt ●●●● ●●●● 46 (20) 8 21 (1) 5
Wiesen-Flockenblume 1,30 Jun–Sep ●●●○ ●●○○ 97 (14) 69 20 (1) 17 5
Wiesen-Salbei 0,70 Apr–Aug ●●●○ ●●○○ 48 (2) 10 20 (1) 3 3
Wilde Malve 1,70 Jun–Okt ●●●○ ●○○○ 1 (1) 5
Wilde Möhre 3,30 Jun–Sep ●●○○ ●●○○ 46 (6) 3 10 (2) 77 3
Wilde Resede 0,80 Jun–Sep ●●○○ ●●●○ 15 (1) 3 2

Weiterführende Links und Broschüren